Alles begann mit einer Dorfbäckerei in Upsprunge

Eigentlich hatte der Bäckermeister Fritz Lange 1936 schon in einer Bäckerei in Altenbeken zu arbeiten begonnen. Drei Jahre später kaufte er trotzdem der damaligen Kreissparkasse Büren die Dorfbäckerei Hake in Salzkotten-Upsprunge ab, die von seiner Frau Anni als „Raubritterburg“ bezeichnet wurde. Doch noch im September des Jahres begann der Zweite Weltkrieg, und Fritz Lange wurde zum Wehrdienst eingezogen.

senior

Mehr als zehn Jahre sollte die Bäckerei geschlossen bleiben, bis sich 1949 der Bäckermeister Urban bei Anni Lange meldete. Mit ihm war Fritz in russischer Kriegsgefangenschaft gewesen und hatte ihm aufgetragen: „Wenn du freikommst, geh nach Upsprunge, da habe ich eine Frau und zwei Kinder. Und da ist eine Bäckerei, die kannst du schon mal wieder eröffnen, bis ich nach Hause komme.“ Das tat Siegfried Urban. Und als Fritz ein halbes Jahr später endlich heimkehrte, führten sie die Bäckerei gemeinsam weiter.

Die frühen Jahre – Alle packen mit an

Foto-Kirchstr-neu.

„Mein Vater war ein sehr ehrgeiziger Mensch und hat bis zu seinem frühen Tod viel bewegt“, erzählt Peter Lange. Die Backstube wurde umgebaut, der angeschlossene Lebensmittelladen vergrößert und – damals noch absolut fortschrittlich – als Selbstbedienungslebensmittelladen eingerichtet. „Es gab zwei Gesellen in der Bäckerei, und meine Mutter bewirtschaftete den Laden. Bereits während der Schulzeit mussten ich und mein drei Jahre älterer Bruder Willi viel mitarbeiten.“

Montags und donnerstags nach der Schule brachte Peter mit seinem Vater die Brote von Haus zu Haus. Wenn es mittwochs und samstags auf den Paderborner Wochenmarkt ging, stand einer der beiden Jungs um fünf Uhr auf, um das Auto zu laden. „Einmal pro Woche fuhren die Jungen mit einem Anhänger hinter dem Fahrrad los, um Brote auszuliefern – einer nach Salzkotten, einer nach Bosenholz“, erinnert sich Hildegard Knaup, die 26 Jahre für Lange auf dem Wochenmarkt arbeitete. „Oft blieb da keine Zeit für Peters Schularbeiten, dann habe ich sie manchmal für ihn gemacht.“

Später, als es Fritz Lange gesundheitlich immer schlechter ging, fuhr Hilde mit Peter zum Wochenmarkt.Bäcker-in-Kluft-neu „Da gab es keine geschlossenen Verkaufswagen wie heute, sondern bei Wind und Wetter nur einen offenen Stand mit einer Zeltplane drüber“, erzählt sie. Die harte Arbeit von den Jungs wurde allerdings auch belohnt. „Wenn wir zum Beispiel in der Weihnachtszeit Brot zu den Privatkunden brachten, nahmen wir Spekulatius mit, und für jedes verkaufte Pfund bekamen wir zehn Pfennig“, erinnert sich Peter Lange.
An einem Nachmittag habe er oft mehr als zwanzig Pfund Spekulatius verkauft. „Auch ein Fahrrad hatte ich schon sehr früh, hinter das natürlich auch der Anhänger für das Brot kam. Aber ein eigenes Rad – wer hatte das damals schon?“

Die 2. Generation: Neue Zeiten – neue Wege

Mutter-im-LadenNach dem Tod des Vaters 1958 mussten die beiden ältesten Söhne früh erwachsen werden. Peter war erst 17, machte aber noch im selben Jahr einen Führerschein. Willi war bereits Konditorgeselle, Peter schloss seine Bäckereilehre ein Jahr später ab. Beiden war klar, dass die kleine Dorfbäckerei später wohl kaum zwei Familien ernähren würde. „Deshalb haben wir sehr früh nach neuen Absatzmärkten gesucht, wie den Lebensmitteleinzelhandel und die diversen Brotgroßhändler“, erzählt Peter Lange.

„Während Willi sich um die Backstube kümmerte, habe ich weitere Brotkunden gesucht.“ Die Geschäfte entwickelten sich gut, und 1963 platzte der Betrieb aus allen Nähten. Also wurde auf dem Hüneknapp am Ortsrand von Upsprunge ein neues Betriebsgebäude gebaut und 1965 bezogen.

Dort ging es zunächst erfolgreich weiter – bis zur großen Ölkrise 1972. Weil die gestiegenen Energiepreise Herstellung und Verpackung erheblich verteuerten, reichten die Erlöse der folgenden Jahre gerade, um die Verbindlichkeiten zu bezahlen. „Um aus der Abhängigkeit von Supermärkten herauszukommen, habe ich dann 1974 meinen ersten eigenen Brotkorb-Laden in Dortmund eröffnet, der von Upsprunge aus beliefert wurde“, erinnert sich Peter Lange.

Meisterbrief
Als Willi 1976 im Alter von 36 Jahren nach kurzer Krankheit plötzlich starb, betrieb Peter in Dortmund und Iserlohn bereits zehn Filialen. Eigentlich hatte er gerade vor, sich mit dem Kauf einer eigenen Bäckerei völlig unabhängig zu machen, sah jedoch die Notwendigkeit ein, den Familienbetrieb zu erhalten. Also kehrte er zurück und eröffnete bald die ersten Lange-Filialen in Paderborn.

„Das machte zur damaligen Zeit fast keiner“, erinnerte er sich. Von diesem Zeitpunkt an wurde in der Upsprunger Bäckerei nicht nur Paderborner Brot, sondern das vollständige Sortiment wie Brot, Kuchen, Konditoreiartikel und Snacks hergestellt.

Mit Qualität und Frische erfolgreich in die Zukunft

Mit Dirk Lange, seiner Schwester Birgit Laufs und ihrem Mann Harald ist inzwischen bereits die dritte Lange-Generation in der Geschäftsleitung des Familienunternehmens engagiert. Hier sprechen sie über Werte, Ideale und zukünftige Entwicklungen.

Warum ist die Bäckerei Lange eigentlich so erfolgreich?
Birgit Laufs: Auf der einen Seite hat mein Vater vor fast 40 Jahren die richtige Entscheidung getroffen, nämlich eigene Filialen zu gründen. Ein anderer wichtiger Erfolgsfaktor ist der ganz besonders hohe Anspruch an die Qualität unserer Backwaren.

himmlische-woelkchenQualität, was heißt das bei Lange denn konkret?
Birgit Laufs: Zunächst einmal achten wir schon bei den Zutaten darauf, nur hochwertige Rohstoffe einzukaufen. So weit wie möglich verzichten wir auf Fertigprodukte, kaufen also zum Beispiel keinen fertig geriebenen Käse, sondern Gouda am Stück. Weil wir mit den meisten Lieferanten seit vielen Jahren zusammenarbeiten, wissen wir genau, wo unsere Zutaten herkommen. Dabei ist uns zudem der Bezug zur Region außerordentlich wichtig, und wir beziehen unsere Zutaten wenn möglich ganz frisch aus Ostwestfalen. So kommen unter anderem unsere Erdbeeren direkt von Bauer Tölle aus Salzkotten.

Bezug zur Region heißt aber auch, dass Sie sich sozial engagieren…
Harald Laufs: Ja, denn wir möchte der Region, in der wir leben und arbeiten, ein klein wenig zurückgeben. So unterstützen wir beispielsweise regelmäßig den Salzkotten-Marathon und nehmen mit vielen Mitarbeitern daran teil. Besonders am Herzen liegt uns außerdem unser „Tag des Ehrenamts“, an dem wir in jedem Jahr etwa fünfzig ehrenamtlich engagierte Menschen zu einem festlichen 3-Gänge-Essen einladen und einen Abend lang ganz besonders verwöhnen.

Zurück zur Qualität: Sie betreiben heute immerhin 48 Filialen. Kann man das noch als klassisches Bäckerhandwerk bezeichnen?
Vital-KracherDirk Lange: Ja, wir sind definitiv ein klassischer Handwerksbetrieb. Viele Menschen glauben ja, es gehe bei einer Bäckerei unserer Größenordnung eher um die Menge als um die Qualität. Aber genau das Gegenteil ist der Fall: Wir verzichten nicht nur auf Fertigprodukte und Konservierungsstoffe, sondern setzen auf ganz traditionelle Handwerkskunst.

Wir verwenden keine Backmischungen, sondern setzen auf unseren eigenen mehrstufigen Sauerteig. Allen unseren Teigen geben wir ganz bewusst viel Zeit zum Reifen und arbeiten mit traditionellen Rezepten, die zum Teil über die Generationen hinweg weitergegeben wurden. Als Bäckermeister weiß ich, dass unser Handwerk absolut ohne Backchemie auskommt. Die zahlreichen höchsten Auszeichnungen bei den alljährlichen Qualitätsprüfungen der Bäckerinnung sind der beste Beweis dafür, dass wir bei Lange unser Handwerk beherrschen.

Gibt es bei Lange überhaupt noch Handarbeit?
Dirk Lange: Wir erledigen viele Arbeitsgänge ganz klassisch von Hand. Etwa bei unserer Puddingbrezel, deren Herstellung übrigens in einen Video auf unserer Internetseite zu sehen ist. Aber auch bei Snacks, Torten und vielen anderen Backwaren gibt es bei Lange reine Handarbeit. Gleichzeitig investieren wir hohe Beträge in Hygienemaßnahmen, die für uns zum Qualitätsmanagement gehören.

So werden zum Beispiel jeder Korb, jedes Blech und alle anderen Arbeitsgeräte täglich sofort nach Gebrauch in unserem neuen Hygienezentrum gründlich gereinigt.

Familie-Lange-freigestelltWie sorgen Sie eigentlich dafür, dass dieses Qualitätsniveau auch so hoch bleibt?
Harald Laufs: Zunächst einmal sind fachlich kompetente Mitarbeiter für uns wichtig. Wir bilden derzeit fast 60 junge Leute aus und übernehmen alle Auszubildenden, die während der Ausbildung gezeigt haben, dass ihnen unser Handwerk liegt. Darüber hinaus ist bei uns jede Kundenreklamation „Chefsache“ und wird mit höchster Priorität behandelt, da wir aus dem Feedback unserer Kunden sehr viel lernen können.

Wir arbeiten tagtäglich an unserer Produktqualität. Bereits während der laufenden Produktion werden nachts alle Produkte sorgfältig überprüft. Jeden Morgen um 9.30 Uhr treffen wir uns dann am Qualitätstisch in der Backstube mit der Geschäftsleitung und den Abteilungsleitern aus der Backstube und Konditorei und überprüfen ausgewählte Produkte noch einmal sehr detailliert.

Und welche Produkte werden so geprüft?
Harald Laufs: Die Produkte werden täglich von mir oder den Verkaufsleitern bestimmt. Auch Rückmeldungen unser Verkäuferinnen und unserer Kunden werden bei der Auswahl zur Qualitätsrunde berücksichtigt. Damit ist gewährleistet, dass wir permanent ein breites Sortiment kontrollieren.

Die Kunden beteiligen sich doch auch noch an anderer Stelle….
Harald Laufs: Ja, denn für uns sind unsere Kunden die entscheidende Messlatte. Deshalb haben wir auch einen eigenen Kundenbeirat gegründet, der dreimal im Jahr zusammenkommt. Die ehrenamtlichen Beiratsmitglieder aus unserem Kundenkreis geben uns nicht nur viele wertvolle Hinweise darauf, was wir besser machen können, sondern auch Anregungen für neue Produkte.

Woher kommen eigentlich die Ideen für immer wieder neue Backwaren und Snacks?
fridolinDirk Lange: Eigentlich fällt uns und unseren Mitarbeitern immer etwas ein, so dass uns die Ideen bisher nicht ausgegangen sind.

Das muss aber auch so sein, denn wir gestalten unsere Angebote ja nicht nur passend zur jeweiligen Saison, sondern legen außerdem großen Wert auf ein abwechslungsreiches, kreatives Sortiment mit immer neuen Produkten. Wir wollen unseren Kunden immer wieder etwas ganz Besonderes bieten, das es nur bei der Bäckerei Lange gibt.

Was ist für Sie das besondere an einem Familienunternehmen?
Birgit Laufs: Dass unsere Bäckerei seit 75 Jahren ausschließlich durch Familienmitglieder geführt wird, schafft Zuverlässigkeit und Stabilität – für unsere Kunden ebenso wie für Mitarbeiter und Geschäftspartner. Wenn man schon als Kind durch den elterlichen Betrieb gelaufen ist, hat man eben eine andere Beziehung dazu. Bei uns gibt es weder kurzfristige Strategiewechsel noch ständige Restrukturierungen.kuchen_erdbeerschnitte

Wir verfolgen heute genau die Werte, die bereits unseren Eltern und Großeltern wichtig waren. In diesem Sinne wollen wir die Bäckerei Lange auch in Zukunft weiterentwickeln: mit handwerklicher Herstellung nach traditionellen Rezepten und dem sinnvollen Einsatz modernster Technik.

Die Bäckerei Lange wird in diesem Jahr 75 Jahre. Wie geht es weiter?
Birgit Laufs: Im Grunde genommen so wie bisher. Wir arbeiten dauernd an uns, indem wir sowohl Qualität und Service ständig optimieren als auch unser Sortiment an sich verändernde Verbraucherwünsche anpassen. Wir versuchen, Erreichtes zu bewahren und wo möglich noch zu verbessern.

Unsere zukünftigen Mitarbeiter bilden wir heute schon selber aus – und legen dabei nicht nur Wert auf die fachliche Kompetenz, sondern ebenso auf Sozialverhalten und Kreativität. Gleichzeitig wächst gerade die vierte Lange-Generation heran. Wir werden sehen…